z(ei)T-en PART 1 (Vokalperformance, 2001)

Fotos: Magda Stankova 2005 (Der
längste Tag, Zürich, 21.6.2005)
Erläuterungen zum Konzept
von z(ei)T-en:
Musikprogramme über die Strukturierung und das sinnliche
Erfahren von Zeit-Räumen von 45 min bis 24 Std Dauer. Verschiedene
Verknüpfungen, Überlagerungen und Aneinanderreihungen bespielen
Leere und Dichte, das Nirgendwo, das Fliessen - Assoziation und Konzentration.
Die im Titel verwendete ortografische Form verweist auf freie Assoziationen
innerhalb des Wortes Zeiten: 'z-en' steht für Stille Betrachtung des
Alltags, Demut und Gebet - '(ei)' für die Schwelle zwischen Gewordenem
und Werdendem - 'T' für Verbindung (zwischen Horizontalem und Vertikalem
im grafischen Bild), für Brücke und Träger. Insgesamt sind
7 verschiedene Parts in Vorbereitung.
Dauer:
70 min.
Werke:
John Cage (Bearb. Javier Hagen) 'vortrag über nichts',
1959, deutsch von Ernst Jandl
Thorsten Töpp, 'à rien' für einen Sänger,
1999 (Text: Franz Kafka)
Volkslied
Produktionsnotizen:
Die Vokalsoloperformance z(ei)T-en part 1 leuchtet drei
Formen aus, Zeit zu gestalten und zu erleben:
1) bei Cage ein zyklischer, von Pausen betrachtender Art
durchsetzter Zeitbegriff
2) bei Töpp ein linearer, verdichteter und vielschichtiger
3) bei der Volksweise ein schlichter, durch Tradition
entschlackter, zeitloser, Zeitbegriff.
Die Reihenfolge der Stücke erinnert an die Abfolge von
These - Antithese - Synthese: Cages Vortrag ist durch die Sparsamkeit der
musikalischen Mittel und dem traumwandlerisch-stillen Fortschreiten an der
Schwelle zur Musik, Töpps Stück durch die virtuose Ineinanderschachtelung
mehrerer Ebenen und die extremen stimmlichen Anforderungen an der Schwelle
von Musik weg, während die Volksweise wie eine Zusammenfassung wirkt, welche
diese Gegensätze in einfacher und rührender Weise zu versöhnen vermag.
Pressestimmen:
Sorgfältig zusammengestellte Programmfolge. Der renommierte
Schweizer Sänger arbeitete allein mit knappen Gesten, einem Metronom
und den schier unerschöpflichen Ausdrucksmöglichkeiten seiner
Stimme, mühelos wechselnd etwa zwischen Belcanto und Obertongesang.
Präzise und humorvoll interpretierte er Cages 'vortrag über nichts',
in dem Zeit als inhaltsleere, aber sinnvolle Struktur geradezu räumlich
präsent wurde. Vom Nirgendwo führte der akustische Weg an den
Rand des Nichts und zu Töpps hochexpressiver Vokalkomposition 'à
rien' nach Kafkas letzter Tagebucheintragung, die gleichsam der Sprache
(und auch den Zuhörern) unter die Haut ging. Zum Schluss ein spanisches
Wiegenlied, sehr ausdrucksvoll vorgetragen und in zartestem Pianissimo endend
- Geborgenheit und zeitlose musikalische Schönheit am Rande des Abgrunds.
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, 06/2001)

